Was erwartet uns von LTE Advanced? – Ein Ausblick

LTE Advanced ist der Nachfolger von LTE und bietet Übertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s. Dabei ist die Geschwindigkeit im Gigabyte-Bereich noch Zukunftsmusik, zuerst erwartet uns die Ausbaustufe LTE Cat-6 mit bis zu 300 Mbit/s. Doch wann genau können wir hierzulande diese mobile Highspeed nutzen? Diese Frage zu LTE Advanced ist gar nicht so leicht zu beantworten. Die deutschen Netzbetreiber haben LTE-A vor einigen Monaten bereits für den Sommer 2014 angekündigt.

Immer wieder gab es erste Anzeichen für LTE Cat-6 in Deutschland. Besonders zur IFA 2014 schien vielen Beobachtern der Marktstart mit LTE-A recht wahrscheinlich. Immerhin sickerten kurz vor der Funkausstellung die MagentaMobile Tarife der Telekom durch und einer dieser Tarife sollte bis zu 300 Mbit/s bieten, wie man in einem leakten Schaubild zu MagentaMobile deutlich lesen konnte. Doch am Ende stellt T-Mobile auf der IFA die neuen Tarife mit einer maximalen Übertragungsrate von bis zu 150 Mbit/s (LTE Cat-4) vor.

Hinter den Kulissen heiß es, der Bonner Netzbetreiber hätte tatsächlich zur IFA 2014 einen Start mit LTE Advanced geplant, doch aktuell fehle es noch an entsprechender Hardware für LTE Cat-6. Diese Endgeräte sind nun Ende September vorhanden und wieder kann man über einen baldigen Start von LTE-A spekulieren. Das Infoportal 4G.de zeigt schon einmal, was wir von LTE Advanced in Zukunft erwarten können.

LTE Advanced startet zuerst in den Großstädten

LTE Advanced

Die Telekom will bis zu 300 Mbit/s bieten (Bildquelle: Deutsche Telekom)

Die deutschen Netzbetreiber starten mit LTE-A zuerst in den lukrativen Großstädten. Hier kann LTE Cat-6 mit bis zu 300 Mbit/s die Mobilfunknetze maßgeblich entlasten. Es bleibt selbst bei stark ausgelasteten Funkzellen noch ausreichend Bandbreite für den einzelnen Nutzer übrig. Ebenso klar ist, dass LTE Advanced besonders in der Anfangszeit ein teurer Spaß wird. Die rasante Surfgeschwindigkeit wird es vorerst nur in den hochpreisigen Tarifen geben. Möglichweise wird man in der Anfangszeit auch günstigere Tarife für LTE Cat-6 öffnen, doch dies sicherlich nur für eine kurze Zeit als Werbeaktion für LTE-A.

Weiterhin erwarten die Nutzer Unterschiede bei der Surfgeschwindigkeit. Während man bei der Deutschen Telekom mit bis zu 300 Mbit/s surfen kann, sind es bei Vodafone bis zu 225 Mbit/s. Dies liegt daran, dass T-Mobile LTE-Frequenzen mit 1800- und 2600-MHz (40 MHz) bündelt, während Vodafone nur 30 MHz zur Verfügung stehen (LTE Carrier Aggregation mit 800- und 2600-MHz). Wie LTE Advanced mit Carrier Aggregation im Detail funktioniert, haben wir in einem extra Artikel zusammengestellt.

Was ist dazu mit dem Menschen auf dem Land? Dort wird LTE-A noch etwas auf sich warten lassen, zuerst sind die Städte daran. Dabei wünschen sich die Menschen in den ländlichen Regionen gar nicht mehr Highspeed bei LTE, sondern würden sich vor allem über andere Tarifmodelle mit mehr Datenvolumen freuen. Der Bundestag sieht dies anders und möchte die Menschen auf dem Land mit Zukunft „mit höheren Geschwindigkeiten“ und LTE-A versorgen.

Bundestag möchte LTE Advanced auch aufs Land bringen

Im Juli 2014 wurde im Deutschen Bundestag die Beschlussempfehlung „Moderne Netze für ein modernes Land – Schnelles Internet für alle“ verabschiedet. Dort hieß es an einer Stelle zu LTE Advanced: „Mobilfunk kann den weiteren Festnetzausbau nicht ersetzen. Allerdings bietet insbesondere der weiterentwickelte Mobilfunkstandard LTE Advanced die Möglichkeit, unterversorgte Gebiete kostengünstiger und vor allem schneller mit höheren Geschwindigkeiten zu versorgen als dies durch Kabel-, Glasfaser- oder DSL-Anbindung möglich ist, […]. Diese Mobilfunktechnologie sollte deshalb in Teilbereichen für die Erreichung der Breitbandziele bis 2018 verstärkt genutzt werden. Kurzfristig wird mobiles Breitband eine entscheidende Rolle dabei spielen, auch die Bürger in ländlichen Regionen mit leistungsfähigen Internetzugängen zu versorgen und damit gleichwertige Lebensbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe sicherzustellen.“ (Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 18/1973)

Wieder einmal scheint sich die Politik vor allem an Übertragungsraten zu orientieren, ohne die Technologie dahinter näher zu beleuchten. Dies ist bei den ehrgeizigen Breitbandzielen für 2018 auch nicht verwunderlich. Interessanterweise taucht das Wort LTE Advanced in der besagten Beschlussempfehlung des Bundestages nur ein einziges Mal auf. Unkonkret bleibt, wie und wann man LTE-A aufs Land bringen möchte. Soll dies zum Beispiel über eine Verpflichtung der Netzbetreiber gehen, wenn man Anfang 2015 die Frequenzen mit 700-MHz (Digitale Dividende II) versteigert? Hier bleibt die Politik in weiten Teilen sehr vage, wodurch LTE Advanced für die Menschen auf dem Land vorerst kein Thema sein sollte.

Erste Hardware für LTE Advanced in Deutschland

LTE Advanced

Das Galaxy Alpha unterstützt LTE Cat-6 (Bildquelle: Samsung)

Erste Hardware für LTE Cat-6 ist bereits in Deutschland verfügbar. Dazu gehört zum Beispiel das Samsung Galaxy Alpha. Wie war es noch einmal: Bei der Deutschen Telekom wartet man nur noch auf die passende Hardware? Dann könnte uns LTE-A vielleicht schon im Oktober erwarten. Die Hoffnung ist auch anderseit berechtigt, denn die Telekom vermarktet seit kurzem den Speedport LTE III. Den Router mit LTE Cat-6 gibt es vorerst nur für Geschäftskunden, doch vielleicht kommen auch bald Privatkunden in den Genuss des Routers. Man darf auf LTE Advanced gespannt sein.

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Marius Pieruschka
Als ausgewiesener LTE-Fachmann auf 4G.de aktiv.
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Showing 2 comments
  • Maik K.
    Antworten

    Da kann ich Sebastian nur 100% Recht geben!

    LTE Advanced bringt überhaupt nichts, wenn man mit der schön beworbenen Maximalgeschwindigkeit das Datenvolumen des ganzen Monats in nur wenigen Stunden verbrauchen kann!!!

    Ich kapiere einfach nicht warum das bei den Herrschaften in der Politik nicht ankommt! Wozu braucht man solche hohen Geschwindigkeiten?

    Mit sicherheit nicht zum surfen und emails checken!!

    Sondern um große Datenmengen zu transportieren! (Video on Demand, Cloud, Updates etc.)

    Aber genau DAS scheint bei den Entscheidungsträgern immernoch nicht angekommen zu sein!!!

    Siehe die Digitale Agenda.. Kein Wort über die Drossel!!
    Kein Wort darüber, wie sie es bis 2018 schaffen wollen, dass die angestrebten 50 Mbit auch den ganzen Monat zur verfügung stehen!!!

    Es kotzt mich nur noch an….

  • Sebastian
    Antworten

    Wenn ich das schon wieder lese – Zitat: „Was ist dazu mit dem Menschen auf dem Land? Dort wird LTE-A noch etwas auf sich warten lassen, zuerst sind die Städte daran. Dabei wünschen sich die Menschen in den ländlichen Regionen gar nicht mehr Highspeed bei LTE, sondern würden sich vor allem über andere Tarifmodelle mit mehr Datenvolumen freuen. Der Bundestag sieht dies anders und möchte die Menschen auf dem Land mit Zukunft „mit höheren Geschwindigkeiten“ und LTE-A versorgen.“
    Es ist doch klar, warum diese Formulierung gewählt wurde. In der Breitbandinitiative sind gewisse Mindestanforderungen festgelegt wurden, so z.B. 50 MBit/s im Downstream (korrigiert mich, wenn die Zahl nicht zutrifft). Das die reine Verfügbarkeit nichts, aber auch garnichts über die tatsächlich zur Verfügung stehende Bandbreite aussagt, wird von den Herrn Politkern gerne vergessen. Ich habe LTE von der Telekom als DSL Ersatz und meine Bandbreite schwankt zwischen 10 und 20 MBit, je nach aktueller Auslastung der Zelle. Und das Inklusivvolumen reicht in der Regel auch immer nur bis zum 20sten eines Monats. Alleine die Updates für Mac, iPhone und Co, verschlingen einen Großteil des Volumens, aber auch das interessiert offenbar niemanden. Daneben würden für mich, wenn LTE-A denn irgendwann verfügbar wäre, wieder Kosten für die Anschaffung einer neuen Außenantenne anfallen, denn mein arbeitet nur im 800MHz Breiech.

    Naja, mein Fazit – Sicherlich ist LTE eine Möglichkeit der Landbevölkerung schnelle Internetzugänge anbieten zu können. Unter den aktuellen Voraussetzungen ist dies aber nicht ideal und auch wesentlich teuerer als ein normaler DSL Anschluss. Wenn jetzt wieder einer mit dem Kommentar kommt „Selber Schuld, hättest ja nicht aufs Land ziehen müssen“ – Richtig, habe mir die Lage meines Eigenheims selber ausgesucht, aber das war noch zu Zeiten von 56k Modems. Damals war die Entwicklung noch nicht abzusehen.

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