Telekom und Vodafone: Kein LTE für Discounter und Reseller

Gestern hat 1&1 seine überarbeiteten Tarife mit LTE Max im o2-Netz vorgestellt. Bei den Vodafone-Tarifen surfen die Kunden weiterhin im 3G-Netz. Eine Überraschung ist dies nicht. Vodafone hatte im Mai 2017 angekündigt, Mobilfunkdiscountern und Reseller keinen Zugang zum LTE-Netz zu gewähren. Das Infoportal 4G.de beleuchtet das Thema kritisch.

Am 02. November hat 1&1 seine überarbeitete All-Net-Flat mit viel Datenvolumen vorgestellt. Dabei unterscheiden sich die Tarife im E-Netz und D-Netz deutlich. Die o2-Tarife bieten LTE Max (bis zu 225 Mbit/s) und drei Freimonate ohne Grundgebühr. Entscheidet sich der Kunden für Vodafone, surft er maximal mit bis zu 42 Mbit/s im 3G-Netz. Dazu gibt es bei Vertragsabschluss keine Freimonate und die monatliche Grundgebühr ist dazu teurer. Dies sind deutliche Unterschiede bei der All-Net-Flat. Im Mai 2017 hatte Ralph Dommermuth, Chef von United Internet, Vodafone dafür kritisiert, dass der Netzbetreiber 1&1 keinen Zugang zum LTE-Netz gewährt. Die Tarife des Düsseldorfer Netzbetreibers hätten so langfristig keine Zukunft bei 1&1.

Tablet LTE
LTE-Tarife vom Mobilfunkdiscounter - Nicht mit Telekom und Vodafone (Bildquelle: istockphoto.com, Yuci Arcurs)

Wenige Tage später reagierte Vodafone-Chef Ametsreiter auf die Kritik von Dommermuth und antwortet gegenüber Journalisten: „„Wir haben uns dazu entschlossen, dass wir das Netz, in das wir Milliarden investiert haben, selbst vermarkten. […]. Ich sehe keine Notwendigkeit zu reagieren und LTE als Vorleistung anzubieten.“ Bei der Telekom ist man bei 4G der gleichen Auffassung. Sicherlich kann man verstehen, dass die Netzbetreiber viele Milliarden in Mobilfunknetze investiert haben und nun LTE selbst vermarkten wollen.

LTE hat längst den Massenmarkt erreicht

Doch auf der anderen Seite muss man folgendes sehen. Ende 2010 sind die Netzbetreiber mit den ersten 4G-Tarifen gestartet. Spätestens im Jahr 2015 hat die Mobilfunktechnologie der vierten Generation den Massenmarkt erreicht, mittlerweile haben wir Ende 2017 und 5G steht vor der Tür. Niemand erwartet 4G-Tarife mit LTE Max von Telekom und Vodafone. Vielen Nutzern würde ein Zugang zum 4G-Netz mit bis zu 50 Mbit/s völlig reichen. In Bonn und Düsseldorf hat man sich für einen anderen Weg entschieden und so schnell wird sich hier wohl nichts ändern. Dies sieht man bereits dran, die Telekom selbst seiner Tochter Congstar (außer Homespot) keinen Zugang zu LTE gewährt. 4G.de hatte auf der IFA 2017 mit Vertretern von Congstar über das Thema gesprochen. Die Telekom-Tochter sagte uns, dass man nicht wisse, wann man Zugang zum 4G-Netz der Telekom bekomme.

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Dabei empfehlen Mobilfunk-Experten eine Öffnung der Netze von Vodafone und Telekom. Telekommunikation-Experte Prof. Torsten J. Gerpott  hat sich in einem Interview mit teltarif.de im Mai 2017 wie folgt zur Netzöffnung geäußert: „In der Vergangenheit hat sich durchweg gezeigt, dass durch Netzöffnung für Service-Provider eigentlich alle profitiert haben. Also sowohl diejenigen, die Wholesale-Produkte verkaufen, als auch jene, die sie einkaufen und dann weitervermarkten. Dadurch hat sich der Markt schneller entwickelt. Bei den beiden Altsassen herrscht unverändert die alte Richtschnur „Um Gottes Willen, nur kein Wholesale, das könnte unser eigenes Geschäft kannibalisieren“ vor. Diese Sicht sollten die beiden Betreiber noch mal überprüfen.“ (Quelle: teltarif.de) Ob die Betreiber ihre Sicht wohl überprüfen werden? Es sieht nicht danach aus.

Auf Aktion bei Telekom und Vodafone achten

4G von Telekom und Vodafone wird es auch in Zukunft nicht bei den Mobilfunkdiscountern und den meisten Resellern geben. Wer mit LTE im D-Netz surfen möchte, sollte auf Aktionen der beiden Netzbetreiber achten. So gibt es immer wieder Aktionspreise oder Angebote mit mehr Datenvolumen. Auch bei Sparhandy oder Mobilcom-Debitel gibt es zweitweise günstigere LTE-Tarife (z.B. Sondertarife von Magenta Mobil) im Netz der Telekom und Vodafone. Diese Aktionen gelten häufig nur wenige Wochen oder Tage, doch dann sollte man zuschlagen.

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Showing 5 comments
  • tommi
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    Mehr Offenheit und mehr Ehrlichkeit. Das ist an die Provider gerichtet. Immer weniger liest man LTE als auch 4 G.

    Nur das merkwürdige 21 MBit oder 42MBit. Vom Tempo für Gelegenheitssurfer mehr als genug, aber die Erreichbarkeit.
    UMTS oder 3G wird nicht mehr ausgebaut, folglich leidet die Erreichbarkeit. Das Tempo ist genug.
    Nur diese Verschleierungstakik auch beim Verkauf ist Scheiße. Und wenn Verkäufer denn auch noch bewiesebernaßen lügen, nur um einen Vertrag zu verkaufen das geht gar nicht.

    Das zweite was man merkt, dass die handyverträge sauteuer sind in Deutschland. Erst reißt ihr die Mäuler auf, dann zockt ihr uns am und dann auch noch auisbeuten? Wir sollten die Handy alle mal liegen lassen mal sehen was dann passiert.
    Momentan rät man niemanden, einen neuen teuren Vertrag abzuschließen.

  • Kamil
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    Mittelfristig und vor allem auch langfristig.

  • Julian
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    Finde die Entscheidung von Telekom und Vodafone vollkommen richtig.

    • Dolph
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      Nein, die Entscheidung ist eine typisch deutsche Farce. Nicht nur, wenn man Vergleiche mit dem Ausland heranzieht.
      Grund ist ausschließlich der absurd miese Netzausbau, der es Telekom und Vodafone offensichtlich schon aus rein technischen Gründen nicht erlaubt, mehr als ihre maue Nutzerbase am LTE-Netz partizipieren zu lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Vodafone 3G-Netz selbst im großsstädtischen Bereich inzwischen das neue „E-Netz“ ist, sprich, man kommt über Edge regelmäßig nicht mehr hinaus. Das wird indes aber nicht dazu führen, dass die Discounterkunden zu Vodafone selbst wechseln. Die ganz normale und gesunde Reaktion ist der Wechsel zu O2-Discountern! Vodafone und Telekom schneiden sich hier aus Ignoranz, Arroganz, betriebswirtschaftlichem Unvermögen und schierer Dummheit mittelfristig ins eigene Fleisch.

      • Gero Helm
        Antworten

        Immer häufiger werden bei Vodafone 3G Kapazitäten zu Gunsten des LTE Ausbaus heruntergefahren. Das bedeutet insbesonderer Reseller Kunden wie 1&1 bekommen eine schlechteres Netz als Vodafone eigene Kunden angeboten. Hier weiß offensichtlich die Geschäftsleitung nicht was ihre Netzoptimierer tun. Es geht hier ja nicht darum hohe Geschwindigkeiten, die kaum ein Nutzer wirklich braucht, sondern ein gut ausgebautes und stabiles Netz allen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Man solte also lieber nicht bestimmte Technologien (wie LTE) nur den eigenen Kunden freischalten sondern z.B. die max. Geschwindigkeit für Reseller Kunden beschränken. Dabei ist es aber egal welche Technologie die Kunden nutzen. Auch „max. 42 M/Bit mit 3G“ ist eine Aussage die einfach falsch ist, es handelt sich um den theoretisch max. erzielbaren Wert, der aber in der Praxis niemals erreicht wird. Aber z.B. 1&1 wird massiv Kunden (die das Vodafone Netz ohne LTE Zugang nutzen) verlieren, wenn diesen immer häufiger nur Edge (E) mit minimaler Geschwindigkeit angeboten wird und ein Direktkunde im Bereich der gleichen Basisstation dank LTE vernünftig surfen kann.

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