Prepaid-Karten: Verkauf ab Juli wird kompliziert

Der Kauf von Prepaid-Karten war bisher unkompliziert. Doch der 1. Juli 2017 rückt immer näher. Dann setzt die Identifikationspflicht bei Prepaid ein. Wer in wenigen Monaten eine solche SIM-Karte kauft, muss ein Ausweisdokument vorlegen und sich identifizieren. Drogerien und Supermärkte sprechen von Mehraufwand und fürchten Umsatzeinbußen.

Zum 01. Juli 2017 müssen sich Käufer von Prepaid-Karten mit einem Ausweisdokument eindeutig identifizieren. Die neue Regelung dient dem Antiterrorkampf und soll verhindern, dass Terroristen anonym miteinander kommunizieren. In der Vergangenheit hatten Terroristen massenhaft Prepaid-Karten auf falschen Namen gekauft. Für jedes Telefonat nutzten die Kriminellen eine neue SIM-Karte. Auf diese Weise war es den Behörden unmöglich, die Täter zu identifizieren. Für viel Aufsehen sorgte ein Fall in Ungarn. Hintermänner vom Islamischen Staat hatten 200.000 Prepaid-Karten auf den Namen eines verstorbenen Obdachlosen gekauft. Solche Karten fand man nach den Anschlägen von Paris und Brüssel in den Taschen der erschossenen Terroristen. Die Regelung, welche zum 01. Juli 2017 in Kraft trifft, soll anonyme Kommunikation über Prepaid endgültig verhindern.

A young man holding his smartphone towards the camera
Ohne Identifizierung kam man Prepaid-Karten nicht nutzen. (Bildquelle: istockphoto.com, Yuri Arcurs)

Der Kauf von Prepaid-Karten wird in Zukunft deutlich komplizierter. Die beliebten SIM-Karten verkaufen neben Handy-Shops zum Beispiel Supermärkte, Tankstellen oder Drogerien. Unabhängig vom Verkaufsort muss eine vollständige Identifizierung durchgeführt werden, dies soll im Idealfall zwischen 3 bis 5 Minuten dauern. Doch sind Käufer und Verkäufer mit der Vorgang zur Identifizierung der Prepaid-Karten nicht vollständig vertraut oder es gibt technische Probleme, kannst dies auch länger dauern. Rossmann und Kaufland haben bereits angekündigt, dass es eine solche Registrierung an der Kasse bei ihnen nicht geben wird. Die Wartezeiten sind den anderen Kunden nicht zumutbar.

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Alternativ kann man seine Identität auch per Videoidentifikation bestätigen. Dazu baut man per Webcam online eine Verbindung zu einem Identitätsprüfer auf. Online wird dann der Ausweis mit dem Gesicht des Kunden verglichen. Der Prüfer fragt zusätzlich noch nach dem Geburtsdatum oder Geburtsort, um die Person eindeutig zu identifizieren. Diese Dienstleister stellen ihren Service den jeweiligen Anbieter selbstverständlich in Rechnung. Mittelfristig könnten hier die Preise bei den Prepaid-Karten steigen. Wie dies im Detail umgesetzt wird, zeigt sich ab dem 01. Juli. Ob nun im Handel oder Online, der Erwerb von Prepaid-Karten wird deutlich kompliziert. Gerade kleinere Shops fürchten hier in Zukunft Umsatzeinbußen.

Antiterrorgesetz ohne große Wirkung?

Dabei ist es durchaus fraglich, ob das Antiterrorgesetz greift. Deutschland ist bei der Regelung ein Vorreiter in Europa. Damit das neue Gesetz wirklich funktioniert, müssen anderen Ländern hier schnell nachziehen. Aktuell können sich Terroristen im europäischen Ausland ausreichend mit Prepaid-Karten eindecken und so anonym kommunizieren. Dazu dürften Kriminelle in der Vergangenheit SIM-Karten auf Vorrat gekauft haben. Damit das Antiterrorgesetz wirklich etwas bringt, hätte sich die Bundesregierung frühzeitig um eine europaweite Lösung kümmern müssen. Die neue Regelung dürfte ab dem 01. Juli 2017 vor allem die vielen Kunden treffen, welche einfach nur eine Prepaid-Karte kaufen wollen. Was früher so einfach war, wird bald richtig kompliziert.

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