Mobilfunk: Prepaid-Karten bei eBay für 999 Euro

Wer seit dem 01. Juli 2017 eine Prepaid-Karte erwirbt, muss ein Ausweisdokument vorlegen. Das neue Gesetz dient der Bekämpfung von Terror und Kriminalität. Mit der Registrierung soll anonyme Kommunikation verhindert werden. Erste Nutznießer des Gesetzes gibt es bereits. Gebrauchte SIM-Karten kosten bei eBay zum Beispiel 999 Euro.

Zum 01. Juli 2017 trat im Mobilfunk eine Gesetzesänderung in Kraft. Wer eine Prepaid-Karte erwirbt, muss ein Ausweisdokument beim Kauf vorlegen und sich registrieren. Zur Vorlage dient zum Beispiel der Personalausweis, Reisepass oder auch ein ausländisches Dokument. Das Gesetz soll anonyme Kommunikation verhindern und dient vor allem der Terrorbekämpfung. Alle Prepaid-Karten, welche vor dem 01. Juli 2017 aktiviert wurden, ermöglichen weiterhin anonyme Kommunikation. Nur wenige Tage nach der Gesetzesänderung gibt es erste Nutznießer des Gesetzes. So werden auf eBay gebrauchte Prepaid-Karten zu recht stolzen Preisen verkauft.

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Gebrauchte Prepaid-Karten von ALDI TALK oder simyo für stolze Preise (Bildquelle: eBay.de)

Man bekommt zum Beispiel vier SIM-Karten von ALDI TALK für 999,77 Euro. Wer einen etwas günstigeren Tarif möchte, bekommt auch eine Karte von simyo für 699,90 Euro, hier gibt es dann jedoch nur eine Mobilfunkkarte. Bei den angebotenen Prepaid-Karten handelt es sich ausdrücklich um gebrauchte Artikel. ALDI TALK und simyo sind letztendlich nur zwei Beispiele bei eBay. Für eine SIM-Karte von otelo zahlt man 399,99 Euro, Vodafone CallYa kostet 299,99 Euro, für Congstar werden 199,99 Euro fällig. Wer sich Zeit nimmt und etwas bei eBay sucht, findet sicherlich auch ein echtes „Schnäppchen“ für nur 99 Euro. Hier zeigt sich: Wer bereits ist, einen bestimmten Preis zu zahlen, kann auch in Zukunft mit einer Prepaid-Karte anonym kommunizieren.

Hilft die Gesetzesänderung im Mobilfunk effektiv bei der Terrorbekämpfung?

Im Vorfeld wurde die Gesetzesänderung im Mobilfunk als teilweise wirkungslos kritisiert. Es wurde schon erwartet, dass es nach dem 01. Juli einen regen Handel mit gebrauchten SIM-Karten geben würde. Es ist jedoch gar nicht notwendig, überteuerte SIM-Karten bei eBay zu kaufen. Das Gesetz zur Terrorbekämpfung trat bereits am 01. Juli 2016 in Kraft. Der Gesetzgeber gab den Netzbetreibern damals 1 Jahr, sich auf die Änderungen vorzubereiten. Die Anbieter mussten Zeit haben, passende Identifikationsverfahren wie das Video-Ident-Verfahren für Prepaid-Kunden zu entwickeln.

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Selbstverständlich berichteten vor einem Jahr alle Medien über das neue Gesetz zur Bekämpfung des Terrors, die breite Öffentlichkeit war informiert. Wer (aus welchen Gründen auch immer) etwas zu verbergen hat, konnte sich 365 Tage ausreichend mit entsprechenden SIM-Karten eindecken und diese freischalten. Dazu gibt es ein vergleichbares Gesetz zur Ausweispflicht bei Prepaid-Karten neben Deutschland nur in Belgien. Wer in Zukunft anonym kommunizieren möchte, besorgt sich eine Mobilfunkkarte im Ausland. Solange es hier keine europaweite Lösung gibt, darf man zumindest daran zweifeln, wie effektiv das neue Gesetz für Prepaid-Karten ist.

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