Mobilfunk: Warum gibt es noch Funklöcher in Deutschland?

Über Funklöcher im Mobilfunk wurde in den letzten Wochen viel diskutiert. Doch warum gibt es in Deutschland im Jahr 2018 noch so viele Weiße Flecken? Die Politik verspricht seit Jahren, die Funklöcher zu schließen. Schaut man sich das Problem im Detail an, zeigt sich: Vor Jahren wurden die falschen Weichen gestellt.

In den letzten Wochen wurde intensiv über die vielen Funklöcher in Deutschland diskutiert. Verkehrsminister Andreas Scheuer lud medienwirksam zum Mobilfunk-Gipfel und versprach das Problem endgültig anzugehen. Scheuer ist wahrlich nicht der erste Minister, der dieses Problem lösen möchte. Im Mai 2015 verkündigte sein Vorgänger Dobrindt: „Klar ist: 2018 sind dann auch alle lästigen Funklöcher in Deutschland geschlossen.“ Wir schreiben nun das Jahr 2018 und so richtig klar ist bei den Funklöchern gar nichts. Doch warum  gibt es bis heute in Deutschland besonders in ländlichen Regionen kein gutes Mobilfunknetz?

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Kein Netz? Der Ärger mit den Funklöchern. (Bildquelle: © LoloStock – stock.adobe.com)

Die Politik hat vor Jahren die falschen Weichen im Mobilfunk gestellt. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, waren die Versorgungsauflagen der LTE-Auktion 2010 nicht ausreichend, um einen gute Mobilfunkversorgung auf dem Land zu gewährleisten.

Nur eine Versorgung von 90 Prozent vorgesehen

Im Jahr 2010 wurden die 4G-Frequenzen für insgesamt 4,4 Mrd. Euro versteigert. Die Netzbetreiber verpflichteten sich, in jedem Bundesland 90 Prozent der  unterversorgten Gemeinden mit LTE zu versorgen. Der Ausbau erfolgte mit den 800-MHz-Frequenzen (Digitale Dividende I). Eine Basisstation mit 800-MHz kann einen Umkreis von 10 Kilometer mit Mobilfunk versorgen. 4G wurde auf dem Land zum DSL-Ersatz und ermöglichte vielen Menschen schnelles Internet. Die Versorgungsverpflichtungen der Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2010 muss man durchaus kritisch betrachten. 10 Prozent der Gemeinden wurden eben nicht mit schnellem Mobilfunk versorgt.

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Es war dazu ausreichend, wenn ein Netzbetreiber die Weißen Flecken in einer Gemeinde schloss. Die Ortschaft galt dann als versorgt. Bei den Ausbauverpflichtungen war keine Doppelversorgung von Gemeinden vorgesehen. Die ländlichen Regionen wurden fast ausschließlich von Deutscher Telekom und Vodafone mit 4G ausgebaut, o2 hielt sich hier dezent zurück. Die ländlichen Regionen wurden in LTE-Claims von Telekom und Vodafone aufgeteilt, die beiden Netzbetreiber sicherten sich die Kunden auf dem Land mit 4G als DSL-Ersatz. Dazu gab es noch ein weiteres Problem.

Netzbetreiber konnten die Auflagen im Mobilfunk bereits 2012 erfüllen

Jedes Bundesland musste eine Ausbauliste erstellen und dort unterversorgte Gemeinden benennen. Diese Listen waren stellenweise nicht komplett. Die Bundesländer führten dort nicht alle unterversorgten Ortschaften auf. Der TÜV Rheinland (zuständig für den Breitbandatlas) teilt 4G.de vor Jahren im Gespräch mit, dass man mehrere unterversorgte Gemeinden nicht auf den besagten Ausbaulisten findet.

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Homann verkündigt 2012 die Erfüllung der Auflagen (Bildquelle: Bundesnetzagentur)

Die Netzbetreiber hatten bis zum 01.01.2016 Zeit die Versorgungsverpflichtungen zu erfüllen. Am 27.11.2012 meldete der Präsident der Bundesnetzagentur, dass die Versorgungsauflagen im Bereich 800-MHz bundesweit erfüllt seien: „Bereits zwei Jahre nach der Vergabe der Frequenzen werden die Versorgungsauflagen in allen mit Breitband unterversorgten Bundesländern erfüllt. Dies ist ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt im Rahmen der Breitbandstrategie der Bundesregierung“ (Quelle: Pressemitteilung)

Die Erfüllung der Auflagen bereits im Jahr 2012 verdeutlicht, dass die Verpflichtungen für die Netzbetreiber nicht sonderlich streng waren und viele Regionen am Ende unterversorgt blieben. Die laschen Auflagen aus dem Jahr 2010 dürften maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es heute in Deutschland noch so viele Funklöcher gibt. Die Politik feierte die Erfüllung der Versorgungsverplfichtungen 2012 trotzdem als Erfolg.

Versorgungsverpflichtungen von 2015 wesentlich strenger

Im Jahr 2015 fand eine weitere Frequenzauktion statt. Die Ausbauverpflichtungen dieser Auktion sind im Vergleich zum Jahr 2010 wesentlich strenger. Die Netzbetreiber müssen bis zum Jahr 2019 eine LTE-Netzabdeckung von 98 Prozent (nach Bevölkerung) bundesweit bieten. Jedes Bundesland soll  eine LTE-Versorgung von mindestens 97 Prozent (nach Bevölkerung) haben. Alle Netzbetreiber muss dieses Ziel erreichen. Weiterhin haben sich die Telekom, Vodafone und o2 dazu verpflichtet, ICE-Strecken und Autobahnen vollständig mit LTE auszubauen.

Nimmt man nun noch die Ergebnisse des Mobilfunk-Gipfels hinzu, könnten die Netzbetreiber bis zum 31.12.2020 bundesweit 99 Prozent der Haushalte mit LTE versorgen. Die Zusagen von Telekom, Vodafone und Telefónica beim Gipfel sind jedoch nicht verbindlich. Die Netzbetreiber haben angekündigt, zuerst die Versorgungsverpflichtungen der 5G-Auktion Anfang 2019 abzuwarten. Telekom, Vodafone und o2 drängen auf investitionsfreundliche Verpflichtungen bei 5G.

(Bildquelle Beitragsbild: © Manuel Schönfeld – stock.adobe.com)

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Comments
  • murmel
    Antworten

    Hallöchen ihr da
    Bringt doch erst mal das 4G Flächendeckend in Ordnung, gemeinsame Mastanlagen spart auch Kosten. Aber in Polen geht es doch mit LTE, es strahlt bis weit nach Deutschland rein. Oder fragt doch mal die Asiaten wie es geht!

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