Mobilfunk: Warum es in Deutschland keine echten Flatrates gibt

Deutsche Mobilfunkkunden müssen bei der Nutzung des Internets mit begrenzten monatlichen Datenvolumen zurechtkommen. Tarife mit echten Datenflatrates ohne Begrenzung und Drosselung sind kaum zu finden und wenn, dann zu horrenden Preisen. Warum es in Deutschland keine echten Flatrates gibt und weshalb Mobilfunk-Vergleiche mit anderen Ländern nicht greifen, erklärt das Infoportal 4G.de.

Überschreiten Mobilfunk-User ihr monatliches Datenvolumen werden sie mit einer Drosselung „bestraft“ und müssen für den Rest des Monats eine stark eingeschränkte Übertragungsrate hinnehmen oder zusätzliches Volumen einkaufen. Mit dieser Maßnahme versuchen die Provider die Datennutzung ihrer Kunden zu disziplinieren, damit die Kapazität der Netze nicht überschritten wird. Wer das Festnetz für den Internetzugang nutzt, kenne solche drastischen Maßnahmen in der Regel nicht. Die Unterschiede der Internettarife zwischen Festnetz und Mobilfunk liegen zum Teil in der Technik der Netze begründet. Während Festnetz-Internetanschlüsse wie ADSL- oder VDSL-Anschlüsse jedem Kunden eine dedizierte Verbindung mit mehr oder weniger fest zugesicherter Bandbreite zur Verfügung stellen, handelt es sich beim Mobilfunk um ein so genanntes Shared Medium.

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Mobilfunk ist ein Shared Medium (© Jacob Lund – stock.adobe.com)

Alle Nutzer in einem bestimmten Radius müssen sich die Bandbreite ihrer Funkzelle teilen. Je mehr einzelne User ihre maximalen Bandbreiten ausschöpfen, desto weniger steht für den Rest der Mobilfunkkunden zur Verfügung. Im Extremfall sorgen schon wenige Power-User dafür, dass die Kapazitätsgrenze der Funkzelle erreicht ist. Auch eine hohe Userdichte kann zu Kapazitätsproblemen im Mobilfunk führen. Diese Probleme kennt man beispielsweise von Großveranstaltungen wie einem Fußballspiel. In einem Fußballstadion sind so viele Geräte in einer Funkzelle angemeldet, dass die Internetnutzung oft nicht mehr möglich oder extrem langsam ist.

Begrenzte Ressourcen und Shared Medium-Technik im Mobilfunk

Da die Kapazität einer Funkzelle begrenzt ist und sich alle User die vorhandene Bandbreite teilen müssen, haben die Mobilfunkbetreiber für Gerechtigkeit bei der Internetnutzung zu sorgen. Sie versuchen dies über die Begrenzung des monatlichen Datenvolumens und die Drosselung der Übertragungsrate zu erreichen. Kunden gehen aufgrund dieser Maßnahmen sorgsamer mit ihrem Datenvolumen um und schränken sich in ihrer Nutzung ein. Würde diese Beschränkung derzeit fallen, kämen die deutschen Mobilfunknetze schnell an ihre Kapazitätsgrenze, da die Netze derzeit nicht für den unbegrenzten Datenverkehr gerüstet sind. Einzige Abhilfe wäre ein massiver Ausbau der Netze, der für die Provider mit hohen Kosten verbunden wäre. Echte Datenflatrates würden daher derzeit die mobile Internetnutzung für die große Masse an Mobilfunkkunden verschlechtern.

Warum Mobilfunk in Deutschland nicht mit anderen Ländern vergleichbar ist

Wenn es um das Thema echte mobile Datenflatrates geht, werden häufig andere Länder wie Finnland aufgeführt, in denen solche Flatrates zu niedrigen Preisen bereits heute verfügbar sind. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Bedingungen für den Mobilfunk in den verschiedenen Ländern zum Großteil nicht vergleichbar sind. Deutschland ist ein flächenmäßig großes Land mit vielen bergigen Regionen, was den Ausbau der Mobilfunknetze teuer macht. Hinzu kommt, dass die LTE- und UMTS-Lizenzen in Deutschland zu extrem hohen Kosten ersteigert werden mussten. Der Staat verpflichtete mit der Vergabe der Lizenzen die Provider zudem, eine Versorgung mit mobilem Breitbandnetz von 98 Prozent aller Haushalte zu erreichen. Für diese Versorgung eines Großteils der Bevölkerung müssen die Provider in Deutschland enorme Investitionskosten tätigen. Diese reduzieren die erzielbaren Gewinne für die Mobilfunkanbieter.

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In anderen Ländern kommt der Staat zum Teil für die Ausbaukosten auf. Diese Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass Mobilfunkprovider in Deutschland grundsätzlich höhere Kosten für den Ausbau und den Betrieb ihrer Netze haben und das Preisniveau der Mobilfunktarife höher ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass in Deutschland fast jeder Haushalt einen eigenen Festnetzanschluss hat. In anderen europäischen Ländern spielt das Festnetz keine so wichtige Rolle mehr. Dort müssen die Netzbetreiber nicht zwei Netztechnologien vorhalten und können sich beim Netzausbau voll auf das Mobilfunknetz konzentrieren. Schließlich spielt die Mobilfunk-Marktsituation in Deutschland eine wichtige Rolle.

Den Markt teilen sich die drei großen Anbieter Vodafone, Telekom und Telefónica auf. Ein aggressiver Preiswettbewerb findet kaum statt. Dies hat zur Folge, dass das Preisniveau in Deutschland im Mobilfunk hoch ist. Investitionen in den Ausbau der Netze oder die Einführung von größeren Datenvolumen und echten Flatrates werden durch die eingeschränkte Konkurrenzsituation nicht gefördert.

Fazit 4G.de

Es existiert eine ganze Reihe von Gründen, warum es im deutschen Mobilfunk keine echten Datenflatrates gibt. Teils sind sie technisch begründet, teils der Kosten- und Marktsituation geschuldet. Diese Gründe machen es nachvollziehbar, weshalb die Netzbetreiber Vodafone, Telekom und Telefónica nur sehr zurückhaltend Tarife mit unbegrenzter Internetnutzung anbieten. Auch in naher Zukunft ist keine Veränderung in der Mobilfunk-Tarifwelt zu erwarten. Wer einen Tarif mit echter Datenflat benötigt, muss mit den sehr hohen monatlichen Kosten leben.

Als Alternativen stehen Zubuchoptionen wie beispielsweise DayFlat unlimited der Deutschen Telekom zur Verfügung. Sie erlaubt unbegrenztes Surfen für 24 Stunden und ist bei Bedarf zu bestehenden Tarifen zubuchbar. Eine weitere Alternative kann die Tarifoption StreamOn der Telekom sein, bei der Musik- und Video-Streamingdienste teilnehmender Partner nicht zum monatlichen Datenvolumen hinzugerechnet werden. Auch Telefónica und Vodafone bieten in Deutschland mittlerweile echte Datenflatrates mit entsprechend hohen monatlichen Preisen an. Vodafone hat zudem mit dem Chat-, Social-, Music- und Video-Pass ein mit StreamOn vergleichbares Produkt am Start.

(Bildquelle Beitragsbild: istockphoto.com, NexTser)

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Showing 6 comments
  • Karl
    Antworten

    Also, Deutschland ist nicht ein flächenmäßig großes Land und hat nicht besonderes viele bergen. Finland ist fast so groß vie Deutschland, Schweden zum bei spiel noch größer. Die Bevölkerungsdichte in Deutschland bedeutet das die Netzausbau hier viel günstiger ist per capita. Die Erklärung liegt vo anderes.

  • Stanley
    Antworten

    Hallo,
    ich lebe zeitweise auch in Thailand, ich nutze den Provider TRUE 8 GB pro Monat in 4G und funktioniert fast überall selbst in tiefsten Wald.
    Wenn die 8 GB aufgebraucht sind kann man gegen einen kleinen Aufpreis wählen. Zwischen 1Mbps oder 4Mbps oder 6Mbps und das unbegrenzt in 4G Netz. So kommen bei mir circa 150 GB pro Monat zusammen.
    In Thailand leben übrigens circa 70 Millionen Menschen. Das ist auch in Deutschland möglich, aber die Provider müssen uns abzocken und immer schön Drossel.

  • Mr Black
    Antworten

    Schlechter Artikel. Im Normalfall ist die Netzzellenlast nicht ausgeschöpft. Die Bevölkerungsdichte ist bei uns nicht so hoch, dass dies wirklich passieren kann, es sei denn, bei Fußballspielen, wo gleich 20.000 Menschen auf sehr engem Platz versammelt sind. Von dieser Situation mal abgesehen spielt das keinen Grund für das geringe Datenvolumen. Hauptgrund sind die Ersteigerungskosten, den Preis, den die Mobilfunkanbieter für die Frequenzen bezahlt haben. Ich weiß die Höhe nicht mehr, aber es war unverhältnismäßig viel, da sie auch dachten, es würde sich viel schneller rentieren und mehr lohnen. Wir leiden heutzutage also darunter, dass die Mobilfunkanbieter eine fehlkalkulation beim Kauf der Lizenzen. Verglichen mit anderen Ländern ist Deutschland auch eher klein, weshalb es relativ lange dauern wird, bis sich der Kauf der Mobilfunklizenzen gelohnt hat.

  • Erl
    Antworten

    Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche User 35-40 Euro monatlich hinblättert, stopfen sich die Mobilfunkkonzerne die Kohle in den Arsch anstatt ahszubauen.

  • Andreas
    Antworten

    Wenn ihre Begründung auf unlimited zielt dann würde ich zustimmen aber eine Drosselung nach 2 bis 3 GB sind doch in europäischen Vergleich lächerlich. Mit wurden ja generell schon 10 GB bei mittlerer Geschwindigkeit schon reichen… Die es übrigens in alles rund Ländern so gibt… Also auch bei technischer Einschränkung aber der Verbraucher wird dennoch abgezockt…

  • Alex
    Antworten

    Naja, bedingt richtig…
    Warum wird nicht auf Länder wie Österreich oder Schweiz eingegangen?
    Meines Erachtens ist dort die Landschaft ebenfalls sehr bergig….
    Und Flatrates gibt es dort sehr wohl….

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