Warum es kein flächendeckendes LTE-Netz geben wird

Die Netzbetreiber arbeiten bereits am LTE-Nachfolger 5G. Die Mobilfunktechnologie der nächsten Generation steht in den Startlöchern. Immer wieder hört man das Argument, die Netzbetreiber sollten zuerst 4G flächendeckend ausbauen, bevor sie den nächsten Schritt gehen. Doch ein flächendeckendes LTE-Netz wird es in Deutschland nicht geben.

Immer häufiger berichten die Medien über 5G und die Pläne der deutschen Netzbetreiber für die nächste Mobilfunkgeneration. Vodafone hat bereits erste Städte mit 4.5G ausgebaut und bietet dort Übertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s. Immer wieder hört man das Argument, Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland sollten zuerst LTE richtig ausbauen, bevor die Netzbetreiber den nächsten Schritt tun.

LTE-Mobilfunkmast
Kein flächendeckendes LTE-Netz in Deutschland (Bildquelle: istockphoto.com, Jens Tandler)

Doch ein flächendeckendes 4G-Netz wird es wie bereits bei 3G in Deutschland nicht geben. Das Infoportal 4G.de erklärt, warum die deutschen Netzbetreiber keine Abdeckung von fast 100 Prozent bieten werden. Dazu erläutern wir, was beim 4G-Ausbau auf dem Land in der Vergangenheit schiefgelaufen ist.

LTE-Netzabdeckung nach Bevölkerung

Laut den Netzbetreibern ist die 4G-Abdeckung in Deutschland ganz ausgezeichnet. Vodafone meldete vor wenigen Tagen eine LTE-Netzabdeckung von knapp über 90 Prozent. Die Telekom nennt ähnliche Zahlen, bei Telefónica Deutschland liegt die Netzabdeckung mit 4G bei etwa 80 Prozent. Doch die Statistiken, welche die Netzbetreiber nennen, beziehen sich immer auf eine Abdeckung nach Bevölkerung und nie nach Fläche. Wer viel durch Deutschland reist, wird es merken: Von einem flächendeckenden LTE-Netz sind wir hierzulande noch weit entfernt.

Dabei darf man nicht übersehen, dass es für die deutschen Netzbetreiber nicht rentabel ist, jeden letzten Winkel des Landes mit schnellem Mobilfunk ausbauen. Wirklich attraktiv für Telekom, Vodafone und o2 ist vor allem der 4G-Ausbau der Städte. Die Fokussierung auf die Städte geht auf Kosten der Flächenabdeckung und der Menschen auf dem Land.

Keine Doppelversorgung auf dem Land

Während die Netzbetreiber zahlreiche Städte mit LTE Advanced ausgebaut haben und nun bereits mit 4.5G beginnen (bis zu 1 Gbit/s), surfen die Menschen auf dem Land mit maximal bis zu 50 Mbit/s. Die Bundesnetzagentur hat die deutschen Netzbetreiber im Jahr 2010 dazu verpflichtet, die unterversorgten Regionen mit LTE auszubauen. Im Detail sahen die Verpflichtungen wie folgt aus: Die Bundesländer erstellten Ausbaulisten mit unterversorgten Gemeinden (Weiße Flecken). Die Netzbetreiber verpflichteten sich, in jedem Flächenbundesland jeweils 90 Prozent der Weißen Flecken mit 4G zu schließen.

Mobilfunk_Land
Die Netzbetreiber haben das Land mit 800-MHz ausgebaut (Bildquelle: istockphoto.com, pixdeluxe)

Der Ausbau erfolgte mit den LTE-Frequenzen der Digitalen Dividende I (800-MHz). Eine Basisstation mit 800-MHz kann einen Umkreis von 10 Kilometer mit Mobilfunk versorgen. Auf diese Weise konnten die Netzbetreiber das Land kostengünstig mit 4G ausbauen. Ein kleines Manko: Mit den Frequenzen der Digitalen Dividende I sind maximal bis zu 50 Mbit/s möglich.

Eine Weißer Fleck galt als geschlossenen, wenn einer der Netzbetreiber die unterversorgte Gemeinde mit LTE ausgebaut hat. Schaut man sich einmal die Versorgungsverpflichtungen der Bundesnetzagentur im Detail an, heißt es an einer Stelle: Doppelversorgungen auf dem Land (durch zwei Netzbetreiber) sind nicht gewünscht. Ein weiteres pikantes Detail: Die Versorgung der ländlichen Regionen erfolgte fast ausschließlich durch die Telekom und Vodafone. Telefónica Deutschland beteiligte sich kaum an der Schließung der Weißen Flecken, man konzentrierte sich beim Ausbau auf einzelne Städte. Dieses Detail erklärt sicherlich, warum die LTE-Netzabdeckung von o2 in ländlichen Regionen nicht optimal ist.

Weiterhin Weiße Flecken auf dem Land

Der LTE-Ausbau auf dem Land ist abgeschlossen und laut Bundesnetzagentur bereits seit November 2012. Ende 2012 meldete die Behörde, die Netzbetreiber hätten ihre Verpflichtungen erfüllt und der 4G-Ausbau auf dem Land sei damit beendet. Konkret heißt es in einer Pressemitteilung: „In den versorgten Gebieten stehen jetzt funkgestützte Breitbandzugänge zur Verfügung. Neben lokalen Unternehmen profitieren insbesondere die Verbraucher vom zügigen Netzausbau, da sie nun Zugang zum schnellen Internet erhalten.“ (Quelle: Bundesnetzagentur)

Tatsächlich trieben Telekom und Vodafone den LTE-Ausbau auf dem Land in den Jahren 2011 und 2012 mit großem Tempo voran. Die Netzbetreiber konnten die Auflagen viel schneller als erwartet erfüllen. Mit der Erfüllung der Versorgungsverpflichtungen war nach Sicht der Bundesnetzagentur der 4G-Ausbau auf dem Land weitgehend abgeschlossen. Doch die Realität sah und sieht anders aus.

Zuerst einmal wurden in jedem Bundesland nur 90 Prozent der Weißen Flecken geschlossen. Dazu teilte der TÜV NORD dem Infoportal 4G.de vor Jahren in einem Gespräch mit, die Bundesländer hätten die Ausbaulisten nicht sorgfältig genug erstellt. So wurden auf den Listen vereinzelt bereits versorgte Gemeinden benannt, während wieder einzelne unversorgte Ortschaften fehlten. Die Fehlerquote bei der Benennung der unterversorgten Gemeinden zum LTE-Ausbau dürfte nicht sonderlich hoch sein. Doch die Ausbaulisten umfassen für alle Bundesländer 244 Seiten mit kleingedruckten Tabellen. Bei der Vielzahl der Gemeinden dürfte selbst eine kleine Fehlerquote negative Auswirkungen haben.

Fazit 4G.de

Schaut man sich die Statistiken der Netzbetreiber an, können mittlerweile 9 von 10 Deutschen mit LTE surfen. Dies gilt zumindest für die Netzabdeckung nach Bevölkerung. Schaut man sich die 4G-Netzabdeckung nach Fläche an, zeigt sich ein anderes Bild. Ein flächendeckendes LTE-Netz wird es in Deutschland in Zukunft nicht geben. Für die deutschen Netzbetreiber ist es nicht lukrativ, jeden Winkel der Republik auszubauen. Der Fokus beim 4G-Ausbau liegt vor allem auf den Städten.

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Auf dem Land wiederum klagen die Menschen über eine schlechte Netzabdeckung. In der Vergangenheit wurden hier sicherlich einzelne Fehler gemacht, indem unterversorgte Regionen nicht korrekt benannt oder erst gar nicht ausgebaut wurden. Doch jeder kann seinen Teil tun, dass er zumindest an seinem Wohnort mit schnellem Mobilfunk surft. Mit unserer kostenlosen Verfügbarkeitsfrage können Sie in wenigen Sekunden überprüfen, welche Anbieter an Ihrem Wohnort LTE ausgebaut haben.

(Bildquelle Beitragsbild: istockphoto.com, flytosky11)

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Showing 2 comments
  • Uwe
    Antworten

    Interessant wäre es, zu wissen wie hoch die LTE-Abdeckung nach Fläche jetzt genau ist.

  • Haas
    Antworten

    In 54457 Wincheringen Söst gibt es nur schwach LTE von Luxemburg

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