Interview mit Martin Dörmann (SPD): LTE kein vollwertiger DSL-Ersatz

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Im Rahmen seiner Interview-Reihe „LTE-Ausbau Deutschland – Politik und Wirtschaft nehmen Stellung“ befragt 4G.de in den kommenden Wochen Fachpolitiker sowie Vertreter aus Wirtschaft und von Interessensverbändenausführlich zum Thema LTE. Unser zweiter Interviewpartner ist Martin Dörmann (SPD), medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Der Abgeordnete vertritt seit 2002 den Wahlkreis Köln I im Deutschen Bundestag. Dörmann ist Mitglied und stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie. Dazu fungiert er als Berichterstatter seiner Fraktion für Telekommunikation und Raumfahrt.

Martin Dörmann

Martin Dörmann (SPD): „LTE keine vollwertige Ersatzlösung für DSL“

4G.de: Vor wenigen Wochen haben die deutschen Netzbetreiber die Weißen Flecken in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen. Aktuell haben die Netzbetreiber ihre Versorgungsverpflichtungen in 12 der 13 Flächenbundesländer erfüllt. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass der LTE-Ausbau in den ländlichen Gebieten noch im Jahr 2012 abgeschlossen ist. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund den LTE-Ausbau auf dem Land?

Martin Dörmann: Man muss differenzieren: Der LTE-Ausbau ist gut und sehr zu begrüßen, da er nicht nur ein modernes Mobilfunknetz erlaubt, sondern auch die Verfügbarkeit mobilen Breitbandes erhöht. Hierbei ist Deutschland europaweit führend. Die Erfüllung der Versorgungsverpflichtungen führt jedoch für sich genommen noch nicht zwingend zu einer hundertprozentigen Abdeckung, da die Versorgungsverpflichtung (in Stufen) nur 90 % beträgt. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass trotz Erfüllung der Versorgungsverpflichtungen noch Weiße Flecken verbleiben.

4G.de: Für viele Menschen auf dem Land stellt LTE einen DSL-Ersatz dar. Nicht alle Netzbetreiber bieten die maximale Übertragungsrate der Digitalen Dividende (800-MHz) von bis 50 Mbit/s an. Alle LTE-Tarife sind an ein Inklusivvolumen gebunden, nach dessen Verbrauch die Surfgeschwindigkeit deutlich gedrosselt wird. Stellt Ihrer Ansicht nach LTE in den ländlichen Gebieten einen vollwertigen DSL-Ersatz dar?

Martin Dörmann: In der Regel nicht. Das LTE-Mobilfunknetz ist ein „Shared Medium“, das heißt, die erzielten Bandbreiten sind auch davon abhängig, wie viele Nutzerinnen und Nutzer sich in einer Funkzelle befinden und bleiben daher heute qualitativ meist hinter dem DSL-Festnetz zurück. Dort, wo es jedoch keine DSL-Anbindung gibt, ist die Versorgung mit LTE aber ein Fortschritt. Zudem wollen immer mehr Menschen Breitband auch auf mobilem Wege nutzen. Und zukünftig können über LTE sicherlich schrittweise auch höhere Bandbreiten erzielt werden.

4G.de: Unternehmen und Selbstständige auf dem Land sind auf schnelle Breitbandverbindungen angewiesen. LTE-Tarife für Geschäftskunden unterscheiden sich nicht wesentlich von den Produkten für Privatkunden. Auch diese Datentarife sind an ähnliche Übertragungsraten und Datenvolumen gebunden. Wie beurteilen Sie LTE als Breitbandlösung für Unternehmen und Selbstständige in ländlichen Regionen?

Martin Dörmann (verweist auch auf Frage 2): LTE ist ein Fortschritt, aber keine so vollwertige Ersatzlösung im Vergleich zu DSL oder höherwertigen Festnetzanbindungen.

Fazit 4G.de:

Martin Dörmann (SPD) bewertet die Mobilfunktechnologie LTE nicht als vollwertige Ersatzlösung für DSL. Dabei verweist er auf das LTE-Mobilfunknetz als „Shared Medium“, wo sich gleichzeitig mehrere Nutzer eine Funkzelle teilen müssen und dadurch die verfügbaren Bandbreiten variieren. Der LTE-Ausbau auf dem Land führe dazu nicht zwangsläufig zu einer flächendeckenden Versorgung in den ländlichen Regionen. Dörmann spricht hier die Versorgungsverpflichtungen der Netzbetreiber an, wodurch ein Bundesland bereits als versorgt gilt, wenn 90 % der Weißen Flecken in vier Stufen abgedeckt sind. Die einzelnen Bundesländer haben Ausbaulisten mit unversorgten Gemeinden für den 4G-Ausbau erstellt und in vier Prioritätsstufen eingeteilt. Diese Listen umfassen besonders in Stufe 1 (Gemeinden bis zu 5000 Einwohner) mehrere hundert unversorgte Ortschaften, wodurch bei einem Versorgungsgrad von 90 % eine größere Anzahl von Weiße Flecken zurückbleiben kann. Trotz dieser Problematik sieht Dörmann LTE als Fortschritt für alle Regionen ohne DSL und wichtige Technologie für ein modernes Mobilfunknetz.

Wir danken Martin Dörmann vielmals für das interessante Interview und freuen uns auf einen regen Meinungsaustausch dazu mit den Lesern von 4G.de!

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