Interview mit Bernd Rudolph (geteilt.de): Es gibt noch Weiße Flecken auf dem Land

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Im Rahmen der Interview-Reihe „LTE-Ausbau Deutschland – Politik und Wirtschaft nehmen Stellung“ befragt 4G.de in den folgenden Wochen Fachpolitiker sowie Vertreter aus Wirtschaft und Interessenverbänden ausführlich zum Thema LTE. Unser heutiger Gesprächspartner ist Bernd Rudolph, Pressesprecher vom Bundesverband Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de – e. V. Die Initiative wurde vor acht Jahren mit folgendem Hintergrund gegründet. Als 1999 die Vermarktung von DSL begann, glaubt man zunächst an eine schnelle flächendeckende Versorgung mit dieser neuen Technologie. Ein Trugschluss, wie sich bald zeigte. Überall im Land schossen deshalb bürgerschaftliche Zusammenschlüsse aus dem Boden, die sich für eine Änderung der Situation einsetzten. Im Zuge dessen entstand 2005 auch die bundesweit aufgestellte Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de-, heute ein eingetragener Verein und einer der bedeutendsten Interessenvertreter der von Unterversorgung betroffenen Internetnutzer. Ziel des Bundesverbandes ist eine flächendeckende angemessene Breitbandinternetversorgung zu fairen Preisen.

Bernd Rudolph (geteilt.de)

Bernd Rudolph (geteilt.de)

4G.de: Vor wenigen Monaten haben die deutschen Netzbetreiber die Weißen Flecken in Brandenburg geschlossen. Die Netzbetreiber haben damit bereits 2012 ihre Versorgungsverpflichtungen in allen 13 Flächenbundesländern erfüllt. Die Bundesregierung hat Ihr Ziel, viele unversorgte Ortschaften mit schnellem, mobilem Internet auszubauen, früh erreicht. Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund den LTE-Ausbau in den ländlichen Regionen? Hat sich die Versorgung mit Breitband auf dem Land Ihrer Ansicht nach in den letzten Monaten merklich verbessert?
 

Bernd Rudolph: Die erfüllten Versorgungsverpflichtungen beziehen sich in großen Teilen auf eine Abdeckung von 90% in von den Bundesländern an die Bundesnetzagentur gemeldeten, unterversorgten Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern. Gerade im ländlichen Raum gibt es aber zahlreiche Kommunen mit mehr Einwohnern, die sich aber in vielen Ortsteilen auf eine große Fläche ausdehnen. Deshalb bedeutet die Erfüllung der Versorgungsverpflichtung noch lange nicht, dass es keine Weißen Flecken ohne Breitbandversorgung mehr gibt. Aber selbst eine gute LTE-Abdeckung ist unserer Meinung nach keine nachhaltige Lösung, da bei LTE nur eher teure Tarife mit Drosselung verfügbar sind. Zudem teilen sich bei LTE, wie bei jedem Shared Medium, alle Teilnehmer einer Funkzelle die Bandbreite, so dass es auch bei LTE bereits überlastete Funkzellen gibt. Ein Zustand, der nach unserer Einschätzung mit zunehmender Verbreitung immer stärker in Erscheinung treten wird, da die Unternehmen kaum zusätzliche Sendemasten errichten werden.

4G.de: Für viele Menschen auf dem Land stellt LTE einen DSL-Ersatz dar. Alle 4G-Tarife sind an ein Inklusivvolumen von maximal 30 GB gebunden, nach dessen Verbrauch die Geschwindigkeit deutlich gedrosselt wird. Die LTE-Tarife sind dazu im Vergleich zu einem herkömmlichen DSL-Anschluss noch entsprechend hoch. Stellt Ihrer Ansicht nach LTE in den ländlichen Gebieten einen vollwertigen DSL-Ersatz dar?

Bernd Rudolph: Wir sagen dazu ganz klar: Nein.

4G.de: Unternehmen und Selbstständige auf dem Land sind bei der täglichen Arbeit auf schnelle Breitbandverbindungen angewiesen. LTE-Tarife für Geschäftskunden unterscheiden sich nicht wesentlich von den Produkten für Privatkunden. Auch diese Datentarife sind an vergleichbare Übertragungsraten und Datenvolumen gebunden. Wie beurteilen Sie LTE als Breitbandlösung für Unternehmen und Selbstständige in den ländlichen Gebieten?

Bernd Rudolph: Es ist sicher mehr als eine temporäre Linderung der größten Not, aber keine zukunftsfähige Lösung. Unternehmen mit lediglich Mobilfunkversorgung sind gegenüber denen mit einer Festnetzanbindung klar benachteiligt. Dies betrifft sowohl die Kosten als auch die Nutzungsbedingungen.

Fazit 4G.de:

Bernd Rudolph (geteilt.de) bemängelt, dass nach der Erfüllung der Versorgungsverpflichtungen durch die Netzbetreiber weiterhin Weißen Flecken auf dem Land zurückblieben. Die Netzbetreiber hätten vor allem unterversorgte Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern mit LTE abgedeckt, die sich zu großen Teilen in den Ausbaulisten der Bundesländer finden.  Als die Bundesnetzagentur die gesetzlichen Vorgaben für den 4G-Ausbau auf dem Land ausarbeitete, wurden die einzelnen Länder dazu aufgefordert, unterversorgte Gemeinden (unter 1 Mbit/s) aufzulisten. Bei der Benennung der Ortschaften achteten die Bundesländern vor allem auf die Gesamtgröße der Kommunen, wodurch sich größere, unterversorgte Gemeinden gar nicht in der Ausbauliste finden. Diese fehlende Auflistung bemängelt Bernd Rudolph, weil dadurch größere Kommunen (z.B. in einzelnen Stadtteilen) weiter ohne Breitbandversorgung blieben.

Selbst eine gute LTE-Abdeckung stelle dazu keine nachhaltige Lösung dar, weil LTE als mobile Verbindung ein Shared Medium sei. Mit steigenden Nutzerzahlen würden dadurch Probleme entstehen, weil die Netzbetreiber in Zukunft keine weiteren LTE-Sendemasten aufstellen. Dadurch sei 4G weder für Privatpersonen noch für Unternehmen ein vollwertiger DSL-Ersatz.

Wir danken Bernd Rudolph vielmals für das interessante Interview und freuen uns über einen regen Meinungsaustausch dazu mit den Lesern von 4G.de.

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Showing 2 comments
  • Robert M
    Antworten

    Hallo „Ein Freund“

    Und wer setzt sich für die Bürger eine, die seit Jahren keine schnelles Internet bekommen?

    Wer tritt den Anbietern und Verbänden der Anbietern entgegen?

    Seit vielen Jahren wird auf den freien Markt gesetzt und erst wurde auf WIMAX und Sky DSL als die Lösung geworben.

    Jetzt soll es die Digitale Dividende mit LTE richten…

    Und geändert hat sich nur sehr wenig.
    Was will man mit einem LTE Internetanschluss der nach 10-30 GB nur noch Schneckenthemo auf DSL Light Niveau hat.

    Gruß Robert

  • Ein Freund
    Antworten

    Der Verein hat knapp ein Dutzend Mitglieder und damit so gerade die rechtliche Hürde für Vereine gemeistert. Er ist nicht bundesweit vertreten und ganz sicher kein „Bundesverband“. Dies gibt er nur vor. Er war und ist auch kein bedeutender Interessenvertreter, er wär es nur gern. Der Verein ist zurecht unbekannt.

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