Bundesnetzagentur-Interview: LTE-Abdeckung wird Niveau wie in GSM-Netzen erreichen

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Im Rahmen der Interview-Reihe „LTE-Ausbau Deutschland – Politik und Wirtschaft nehmen Stellung“ befragt 4G.de in den kommenden Wochen Fachpolitiker sowie Vertreter aus Wirtschaft und von Interessenverbänden ausführlich zum Thema LTE. Der heutige Gesprächspartner in unserer Interview-Reihe ist Rudolf Boll, Pressesprecher der Bundesnetzagentur.

Rudolf-Boll-Bundesnetzagentur

Rudolf Boll, Bundesnetzagentur

4G.de: Die deutschen Netzbetreiber haben ihre Versorgungsauflagen im Bereich 800-MHz (Digitale Dividende) in allen deutschen Bundesländern erfüllt. Die Verpflichtungen zur Schließung der Weißen Flecken wurden damit deutlich vor dem Stichtag (01.01.2016) der Bundesnetzagentur erfüllt. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund den LTE-Ausbau auf dem Land?

Rudolf Boll: Die Mobilfunknetzbetreiber haben große Anstrengungen unternommen, damit bereits zwei Jahre nach der Vergabe der Frequenzen die Versorgungsauflagen erfüllt werden konnten. In den versorgten Gebieten stehen jetzt funkgestützte Breitbandzugänge zur Verfügung. Neben lokalen Unternehmen profitieren insbesondere die Verbraucher vom zügigen Netzausbau, da sie nun Zugang zum schnellen Internet erhalten. Dies ist ein großer Erfolg und ein wichtiger Schritt im Rahmen der Breitbandstrategie der Bundesregierung.

4G.de: Die Versorgungsverpflichtungen im Frequenzbereich 800-MHz gelten in einem Bundesland als erfüllt, wenn 90 % der Gemeinden mit LTE oder einer alternativen Breitbandverbindung versorgt sind. Dadurch bleiben weiterhin unterversorgte Ortschaften auf dem Land zurück. Gibt es Pläne der Bundesnetzagentur, wie man die restlichen 10 % schließen möchte?

Rudolf Boll: Die Bereitstellung von Frequenzen zur Verbesserung der Breitbandversorgung ist ein Bestandteil der Breitbandstrategie. Mit funkgestützten Lösungen allein lässt sich jedoch die vollständige Versorgung nicht erreichen, vielmehr ist ein Mix der verschiedenen Technologien (DSL, LTE etc.) nötig. Darüber hinaus können Fördermittel dazu beitragen, den Breitbandausbau auch in Regionen voranzutreiben, wo er sich wirtschaftlich nicht selbst trägt.

Ungeachtet der bereits erfüllten Versorgungsauflagen gehe ich davon aus, dass die Unternehmen die Frequenzen auch nach der Freigabe effizient nutzen werden und eine Abdeckung bei LTE erreicht wird, wie sie heute in den GSM-Netzen besteht.

4G.de: Einzelne Prognosen gehen davon aus, dass die Netzbetreiber bereits im Jahr 2013 mit dem Ausbau von LTE Advanced in Deutschland beginnen könnten. Der Nachfolger von LTE bietet theoretische Übertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s. Geht die Bundesnetzagentur von einem Start von LTE Advanced bereits im nächsten Jahr aus und sind hierzu Versorgungsauflagen für die Netzbetreiber geplant? Bedarf jede Aufrüstung einer Basisstation von LTE auf LTE Advanced einer Genehmigung durch die Bundesnetzagentur?

Die Auf- und Ausbauverpflichtungen sind technologieneutral ausgelegt. Die Netzbetreiber sind dazu verpflichtet worden, ihre Frequenzen zur Versorgung der Bevölkerung mit Breitbanddiensten vor allem auch in ländlichen Gebieten einzusetzen. Wann die Netzbetreiber ihre Netze entsprechend der neuesten technologischen Möglichkeiten auf- oder umrüsten, obliegt diesen selbst und wird hauptsächlich durch die Nachfrage nach mobilen Breitbanddiensten bestimmt – dabei spielt auch die Verfügbarkeit von Endgeräten eine bedeutende Rolle. Eine erneute Genehmigung durch die Bundesnetzagentur ist nur bei entsprechender Änderung der funktechnischen Parameter der Basisstation notwendig.

Fazit 4G.de:

Rudolf Boll begrüßt, dass die Netzbetreiber nur zwei Jahre nach der Vergabe der Frequenzen ihre Versorgungsverpflichtungen erfüllt hätten. Vom schnellen LTE-Ausbau auf dem Land würden vor allem die Verbraucher profitieren. Boll geht davon aus, dass die deutschen Netzbetreiber auch nach der Erfüllung ihrer Verpflichtung das LTE-Netz weiterhin in der Fläche ausbauen. Dabei könne man jedoch nicht allein mit LTE eine vollständige Versorgung erreichen, sondern müsse vielmehr  bei der Breitbandversorgung auf einen Technologiemix (DSL, LTE etc.) setzen. In Deutschland könne das 4G-Netz in Zukunft eine Abdeckung wie in den GSM-Netzen erreichen. Die Netzbetreiber dürfen nun nach Belieben ihre LTE-Netze modernisieren. Für ein Upgrade von LTE auf LTE Advanced bedarf es, sofern nicht die funktechnischen Parameter der Basisstation geändert werden, keinen weiteren Genehmigungsverfahren durch die Bundesnetzagentur. Vor einem Start von LTE Advanced müsse es jedoch zuerst die entsprechende 4G-Hardware geben, wie Boll zu bedenken gibt.

Wir danken Rudolf Boll vielmals für das interessante Interview und freuen uns auf einen regen Meinungsaustausch dazu mit den Lesern von 4G.de!

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